Manfred Schlösser

Es kann nur besser werden

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat kein Jahr die Welt so sehr verändert wie 2022. Wir haben Krieg in Europa, unsere Energieversorgung ist verdammt teuer und unsicher geworden. Der Staat nimmt uns über Steuern so viel Geld ab wie noch nie: ganze 880 Milliarden Euro. Und trotzdem leben nach Studien knapp 30 Millionen Menschen an der Armutsgrenze oder gar in Armut, so die Sozialverbände.

Regierende sehen allenfalls eine Lösung darin, uns noch tiefer in die Taschen zu greifen. Schon heute arbeiten viele Deutsche ein ganzes halbes Jahr ausschließlich für Vater Staat. Mit welchem Ergebnis? Bahnreisen sind nicht mehr kalkulierbar. Bei der Post gehen über 40.000 Beschwerden ein, Klassenzimmer und Toiletten in Schulen werden von Eltern renoviert, Krankenhäuser schließen, Verteidigungsausgaben versiegen in Unfähigkeit und Korruption darf vermutet werden. Wie sonst ist es möglich, dass in einem der besten Industrieländer der Welt in Sachen Bundeswehr fast nichts funktioniert? Über Autobahnbrücken fährt man nur noch mit einem mulmigen Gefühl, wenn einem ein Schild sagt: Höchstgeschwindigkeit 60 Stundenkilometer wegen Brückenschäden – und das in fast 140 Metern Höhe. Auf Monsterbaustellen sieht man meist weniger Arbeiter als beim Bau eines Einfamilienhauses.

Es muss nicht nur die Frage erlaubt sein: „Was macht ihr mit unserem Geld?“. Man muss auch sagen dürfen: „Schämt Ihr Euch nicht?“ Ist niemand im Politgefüge mehr in der Lage, solide und verantwortungsbewusst mit dem Geld anderer Leute umzugehen? Steuerquote und Funktionsfähigkeit des Systems scheinen völlig abgekoppelt. Keiner weiß mehr, wo das ganze Geld hinfließt. Es versickert in tausenden unkontrollierbaren Kanälen. In fast jeder Lebenssituation gibt es Anspruch auf irgendeine Entschädigung, Förderung oder Steuererleichterung. Die wirklichen Sozialausgaben sind nur noch der weitaus kleinere Teil dieser Gelder, die meist ohne Effekt unters Volk gestreut werden. Diverse Corona-Maßnahmen machen da eine rühmliche Ausnahme.

Auch die Automatenwirtschaft hat es gebeutelt wie noch nie. Alle Krisen der Vergangenheit wirken harmlos dagegen. In einigen Bundesländern haben die fast ausschließlich von Familien geführten Unternehmen einen Großteil ihrer Umsätze und damit ihre Existenz verloren. Ich kenne Unternehmen, die um rund 70 Prozent des Geschäfts durch staatliches Handeln enteignet wurden. Wen wundert es also, wenn an Abenden, an denen früher viel gescherzt und gelacht wurde, heute geschimpft und geflucht wird? Auch Spielgäste sind nicht mehr so gutgelaunt und fröhlich wie früher. Zähneknirschend beugen sie sich staatlichen Anforderungen, die sie großenteils als peinliche Entmündigung empfinden. Immer öfter weichen sie ins illegale Spiel aus. Politikerinnen und Politiker scheint dieses böse Rauschen im Wählerwald nicht zu interessieren. Irgendwie sind ja nach jeder Wahl alle wieder dabei.

Was tun? Bei der nächsten Wahl ein Kreuz beim Kästchen „Unanständig“ machen? Das ist nicht die Lösung. Das wird uns nur noch tiefer in den Abgrund führen. Nein, wir müssen den amtierenden demokratischen Parteien und ihren Repräsentanten viel öfter deutlich die Meinung geigen. Diplomatie und Höflichkeit haben nicht ausgedient, Klartext ist dabei aber zu oft hinten angestellt worden. Wie sonst konnte Unfähigkeit so oft belohnt und sogar neu gewählt werden? Nehmen wir uns also vor, nicht nur an Stammtischen und in Freundesrunden Klartext zu reden, sondern auch öffentlich und besonders im Umgang mit Politik.

Manfred Schlösser
Verleger games & business
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