Steffen Hanak

Abseits

Es braut sich etwas zusammen in Bremen. Innensenator Mäurer (SPD) bläst zum Sturm auf die Sportwettbüros. Wenn nicht lückenlos dokumentiert werden kann, wie die Betreiber der Filialen ihre Investition zusammenbekommen haben, müssen die Filialen geschlossen bleiben. Dass Sportwettenanbieter mittlerweile Bundesligavereine sponsern und Tipico sogar die Sportschau präsentiert, sieht Mäurer „äußerst kritisch“. Parallel dazu hat sich sogar bereits ein „Bündnis gegen Sportwettenwerbung“ gegründet, in dem sich viele Vertreter der Präventions- und Hilfesysteme versammeln. Woher rührt dieser Eifer? Dass der Kampf gegen Glücksspielsucht eine honorige Sache und notwendig ist, stellt niemand in Frage. Am allerwenigsten die Glücksspielbranche selbst. Gerade in dieser Ausgabe berichten wir wieder darüber, wie etwa die Anbieter des terrestrischen Spiels sich mit der Zertifizierung und dem Spielersperrsystem OASIS befassen. Beides hat die Branche als Teil einer qualitativen Regulierung gefordert und erweist sich einmal mehr als Partner der Politik im Kampf gegen das illegale Spiel. Vielleicht liegt aber genau darin das Problem: An dem terrestrischen Spiel haben sich die Kritiker inzwischen hinreichend abgearbeitet. Alles ist gesagt und getan worden, um es zu verteufeln. Alles, was sich in Vorschriften packen ließ, ist Vorschrift geworden. Mit OASIS und der von der Branche selbst forcierten Zertifizierung zeigen die Unternehmer, dass sie den Spielerschutz ernst nehmen. Mehr geht nicht.

Deshalb wenden sich die Kritiker jetzt den Sportwetten zu. Wahrscheinlich deshalb so konzertiert, weil Sportwetten in der Gesellschaft verbreiteter sind und ein eher positives Image haben. Aus diesem Grund muss jetzt besonders schrill Alarm geschlagen werden. Um dafür zu sorgen, dass Sportwetten trotz ihrer besseren Startposition ins gesellschaftliche Abseits gedrängt werden. Das ist allerdings grobes Foulspiel, das mit Spielerschutz nichts zu tun hat. Mit diesem hektischen Aktionismus, der Glücksspiel per se kriminalisiert, werden die Kritiker nur das illegale Spiel weiter stärken – sonst nichts.

Steffen Hanak, stellv. Chefredakteur games & business
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