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24.06.2016 11:11
Was aus den Lizenzen wird

Brexit und Glücksspiel


Die Bevölkerung Großbritanniens hat sich entschieden, die Europäische Union zu verlassen. Großbritannien (UK) ist ein großer Markt fürs Glücksspiel und auch viele Anbieter haben ihre Basis in Territorien wie Gibraltar oder der Isle of Man, die der UK zugerechnet werden. Diese Unternehmen könnten bei einem Austritt aus der Union Schwierigkeiten bekommen - oder auch nicht. Vom Wett-Umsatz her war der Brexit jedenfalls ein gutes Geschäft. 

 

Auf der Isle of Man ist das Online-Gaming der größte Wirtschaftsfaktor, Riesen wie Microgaming haben dort ihr Hauptquartier. In Gibraltar sitzen bwin.party, bet365, Ladbrokes und andere. Sie haben sich dort ihre Lizenzen erworben, weil es den Zugang zum europäischen Markt ermöglicht. Ein Brexit könnte das behindern.

Tatsächlich ist dieses Szenario jedoch unwahrscheinlich. Die Isle of Man beispielsweise ist gar kein Teil der EU, sondern regelt den Zugang zum europäischen Markt über Verträge mit Großbritannien. Diese müssten zwar neu ausgehandelt werden, es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass die Isle of Man auch nach einem Austritt Britanniens die gleichen Bedingungen gegenüber der EU erhalten würde wie bisher.

Gibraltar gehört allerdings zur EU. Die dort ansässigen Unternehmen müssten auf ein gutes Verhandlungsgeschick der britischen Regierung hoffen, damit der Marktzugang zur EU in Zukunft gesichert ist. Allerdings sehen die EU-Verträge zwei Jahre Verhandlung bei einem Austritt vor. Das wäre genug Zeit, um den Unternehmenssitz zu verlegen und neue Lizenzen, beispielsweise in Malta, zu erhalten. Auch wären Fusionen mit dort ansässigen Firmen denkbar.

Die lange Dauer der Austrittsverhandlungen ist überhaupt ein wichtiger Punkt. Vielleicht wird der Brexit noch im Sand verlaufen. Ein zweites Referendum in zwei Jahren ist nicht ausgeschlossen, wie Credit Suisse in einer Analyse für den Finanzmarkt nahelegt. Kurzfristig, das ist ziemlich sicher, wird sich jedenfalls nichts ändern.

Das Referendum war wohl das wettintensivste politische Ereignis aller Zeiten. Das ist positiv. Nur eins muss die Industrie noch analysieren: Warum hatten alle Anbieter bis zum Schluss die "Bleiben"-Fraktion deutlich favorisiert?